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Alisan Sengü

Beschlussvorlage 665/11 - Ratssitzung 22.02.2011

Herr Oberbürgermeister,

meine Damen und Herren,

Am 17.02.2011 wurde Herr Burgard im WA mit den Worten „Ich habe überhaupt keine Ahnung von der Technik und vom Verfahrensstand“ zitiert. Da ging es Ihnen wie uns. Genau darum aber haben wir die Veranstaltung am 15.02.2011 durchgeführt, nicht ausschließlich für unsere Ratsfraktion, sondern auch als Angebot an alle Bürgerinnen und Bürger. Hamgas ist eine von insgesamt drei Gesellschaften, die im Stadtgebiet unkonventionelles Erdgas fördern wollen. Wir halten es für bedenklich, wenn der lokale Wasserversorger gleichzeitig Gas Fracking betreibt.

„Hydraulic Fracturing“, genannt Fracking, ist das umstrittenste Verfahren zur Förderung von unkonventionellem Erdgas. Dazu werden, ausgehend von horizontalen Bohrungen, Millionen Liter Wasser, Sand und Chemikalien in den Untergrund gepumpt, bis dieser, begleitend von Erdbeben der Stufe 1-2 aufbricht. Das Wasser/Sand/Chemie Gemisch dringt in die Risse ein und lässt das Gas entweichen.

Zwischen 30% und 70% des Wassers wird wieder an die Oberfläche gepumpt.

Dabei werden erhebliche Mengen gelöster Salze und radioaktive Isotope an die Oberfläche gebracht. Anschließend kann das Gas aus den Spalten austreten und gefördert werden. Zu den beim Fracking eingesetzten Chemikalien gehören unter anderem Toluol, Benzol und Xylol. Sie dienen als Prozessstoffe und Pestizide. Eingeordnet werden sie als krebserregend und wassergefährdend.

In Damme wurde erstmals in Deutschland über ein Fracking Versuch von ExxonMobil berichtet. Dort wurden, laut Spiegel, 12 Millionen Liter Wasser und 24.000 Liter Chemikalien eingesetzt. Nur etwa 30 Prozent der Flüssigkeit kam wieder an die Oberfläche. Der Rest liegt, angeblich sicher, immer noch unter dem Naturschutzgebiet am Dümmer See.

Ungeklärt ist, was mit dem kontaminierten Wasser passiert, welches wieder nach oben gepumpt wird. In den USA wird es in oberirdischen Becken gelagert. Das Magazin – hitec -  auf 3sat, zeigt in der Sendung: Gasrausch, wie Fracking Flüssigkeiten in Klärwerke abgelassen werden, die für die Aufbereitung überhaupt nicht geeignet sind. In Deutschland soll offenbar die Flüssigkeit verdampft und die Rückstände entsorgt werden. Welche Mengen an Rückständen entstehen, wo sie entsorgt werden oder wie viel Energie notwendig ist, um diese Mengen „Wasser“ zu verdampfen, ist nicht bekannt.

In den USA zeigen sich darüber hinaus weitere Nebenwirkungen: Gas dringt an unerwarteten Stellen aus dem Erdreich und gelangt auch in Trinkwasserbrunnen. Folge sind spektakuläre Fälle von brennendem Wasser. Gigantische Mengen an Süßwasser sind erforderlich, wodurch der Grundwasserspiegel sinkt. Das Frack-Wasser muss sicher gelagert oder umständlich entsorgt werden. Durch Mikro Lecks entweicht Methan, das zu Smog und in gesundheitsgefährdenden Konzentrationen zu Krankheiten führt.

Durch die begrenzte Förderkapazität müssen regelmäßig im Abstand von wenigen Kilometern neue Bohrtürme errichtet werden. Der Betrieb einer Anlage ist nur mit erheblichem Schwerlastverkehr möglich, da das Gas abtransportiert und Chemikalien und Wasser antransportiert werden müssen.

Das hat dazu geführt, dass die ehemalige Kohle- und Stahlhochburg Pittsburgh in den USA -  Fracking auf ihrem Gebiet inzwischen komplett verboten hat. Im Staat New York darf erst einmal bis Juni 2011 kein Fracking mehr durchgeführt werden, um konkrete Schäden zunächst zu untersuchen.

Wir beantragen daher, heute nicht über die vorliegende Beschlussvorlage abzustimmen, damit sich alle interessierten Bürgerinnen und Bürger bestmöglich informieren können. Vorauseilender Gehorsam ist kein weiser Ratgeber.

Denn - und da ist Herrn Burgard zuzustimmen – kaum jemand hat Ahnung von der Technik und vom Verfahrensstand. Wer aber eine Gesellschaft gründet, der verfolgt damit auch ein Ziel und schafft Fakten. Die Bürgerbeteiligung aber erfolgt dann – wie so häufig – erst im zweiten Schritt. Das aber können wir gemeinsam verhindern.

Danke.