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LINKE: Innerstädtischer ÖPNV muss einfacher, eng getaktet und preiswerter werden.

Das 9-Euro-Ticket war auch ein Verkaufsschlager, weil es so bestechend einfach war. Diese Erkenntnis müsse unbedingt auch auf das Hammer Busangebot übertragen werden, mahnt DIE LINKE. “In Hamm ist neben den zu teuren regulären Tickets ein Gewirr aus möglichen Vergünstigungen entstanden. Jede einzelne ist für sich genommen gerechtfertigt und zu begrüßen. Doch in der Summe ist dieses System kompliziert und verfehlt das eigentliche Ziel: Möglichst vielen Menschen, möglichst oft die Nutzung von Bus und Bahn zu ermöglichen”, sagt Selda Izci, DIE LINKE im Rat der Stadt Hamm. “Wir brauchen ein günstiges und komfortables Mobilitätsangebot für alle Bürgerinnen und Bürger in Hamm. Das muss jetzt auf den Weg gebracht werden.”

“Das Gerangel um die Nachfolgeregierung des 9-Euro-Tickets auf Bundesebene zeigt deutlich: Wer auf die Bundesregierung wartet, wartet vergeblich. In Berlin hat man die Dringlichkeit von einsetzenden sozialen Verwerfungen und Klimakrise entweder noch nicht verstanden oder man nimmt sie in Kauf”, ergänzt Izci. Daher kann sie auch die Hoffnung auf den städtischen Nahverkehrsplan, dessen Entwurf 2023 vorliegen soll, nicht teilen. Zwar solle dieser die Prüfung eines kostenfreien Busangebots für minderjährige in Hamm beinhalten. Doch auch bei diesen Überlegungen hab die Ratsmehrheit aus SPD, Grünen und FDP die Wirtschaftlichkeit vorangestellt. “Damit fallen besonders SPD und Grüne weit hinter ihre Wahlversprechen zurück. Außerdem bleibt so die komplizierte Sortierung in verschiedene Nutzergruppen bestehen”, so Izci. 

Wie das derzeit aussehen kann, verdeutlicht ein Beispiel: Eine jugendliche Schülerin hat einen Fußweg von 4,5 Kilometern zu ihrer Gesamtschule. Bis zur Klasse 10 hat sie somit ein Anrecht auf ein Schulwegticket, sofern keine Gesamtschule näher an ihrem Wohnort ist oder sie einen Ablehnungsbescheid von der näher gelegenen Schule vorweisen kann. Das Schulwegticket ist für sie kostenfrei, außer sie möchte dieses auch in der Freizeit nutzen oder auf Strecken, die nicht zum Schulweg gehören. Dann kann sie zuzahlen. 10 Euro, wenn sie das erste Kind in der Familie ist. 5 Euro falls sie SGB-II-Leistungen bezieht. Mit dem Übergang in die Oberstufe fiele die Anspruchsberechtigung für das Schulwegticket weg. Sie könnte es nun für 29 Euro mit gleichem Leistungsumfang kaufen oder ein Fun-Ticket für 5 Euro. Letzteres gilt allerdings nicht für den Schulweg und an Werktagen erst ab 14:00 Uhr. Alternativ gäbe es noch ein 9-Uhr-Abo für 27 Euro. 

“Bei diesem Wirrwarr helfen auch keine Apps und Mobilitätsstadtpläne. Denn vor dem Bezug eines Schulwegtickets oder eines vergünstigten MobilAbos steht derzeit das Ausfüllen eines mehrseitigen Antrags. Der wird dann von der Stadt geprüft und beschieden. Hier wäre eine Vereinfachung durch ein attraktives Angebot für alle eine echte Absenkung der Einstiegshürde in den ÖPNV”, so Izci abschließend.

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